Filou bleibt!

Das "Filou"-Tagebuch: Wir haben unsere Bäckerei gerettet!

 

Im Januar 2017 wurde bekannt, dass der Bäckerei Filou nach 20 Jahren im Kiez die Kündigung ins Haus geflattert ist. Gleich nachdem das Filou seine Kündigung öffentlich gemacht hat, ist ihm eine große Welle der Solidarität entgegengeschlagen. Die Kündigung wurde inzwischen zurückgezogen – das Filou hat einen neuen und langfristigen Mietvertrag mir fairen Konditionen erhalten. 

 

#Filoubleibt #Widerstandlohntsich #wirbleibenalle #UnitedNeighbours

 

Diese Seite ist in Form einer Timeline aufgebaut. Das bedeutet, das Neuste steht an erster Stelle.

 

Zur Presseberichterstattung über unseren Kampf für und mit den Filou Betreibern geht es hierlang.


Sommer 2018

Der neuen Kiezzeitung Blockschrift standen Nadja und Daniel vom Filou sowie Coni von der GloReiche(n) Nachbarschaft im Sommer 2018 Rede und Antwort. Das Interview der Rubrik "Interkuhle | Gespräch in der Kuhle" findet ihr hier.

 

Die Blockschrift berichtet von Themen, die alle in der Nachbarschaft angehen und will helfen, dass sich noch mehr Menschen informieren und an den öffentlichen Debatten beteiligen. Dies gilt besonders für Nachbar*innen, denen die sogenannten sozialen Medien fremd sind oder die sie bewusst nicht nutzen.

 

Ein Statement von Daniel aus dem Interview:

Meine Erfahrung aus dem Ganzen ist: Es gibt drei wichtige Dinge, die man in so einer Situation machen muss, erstens mit Leuten reden, zweitens mit Leuten reden und drittens mit Leuten reden.

 

22.07.2017 - 20 Jahre Filou!

Ein guter Grund für uns alle um zu feieren! 


12. Juli 2017 - Unterzeichnung des Mietvertrags

Im Beisein von MdB Christian Ströbele haben Nadja und Daniel die Mieter der Kreuzberger Bäckerei Filou und die Eigentümer des Hauses Reichenberger Straße 86, Charles Skinner und David Evans, einen neuen, faireren Kleingewerbemietvertrag, der ein ausgeglicheneres Machtverhältnis zwischen Eigentümern und Mietern zum Ziel hat unterschrieben. Die Ganze Geschichte findet ihr hier. 

 

29. März 2017

Erscheinungstermin der Zeitschrift Tina mit dem Artikel „Unsere Bäckerei muss bleiben“. 

Auch die Kund*innen kamen darin zu Wort:

Das „Filou“ ist unentbehrlich, weil …

„… sich hier die Nachbarschaft gern trifft“

„… ich auch nachmittags noch frisches Brot bekomme“

„… die Baguettes einfach lecker sind“

 

Den ganzen Artikel könnt ihr hier runterladen und lesen.

 

Ein weiterer Artikel erschien am 28.06.2017 in der Zeitschrift Bella unter der Überschrift: "Wir haben unsere Bäckerei gerettet"

 

Weitere Presseberichte findet ihr hier.

25. März 2017

Filou bleibt ist nicht länger eine Parole. Das muss gefeiert werden.

 

Neben Redebeiträgen und Danksagungen der GloReiche(n) Nachbarschaft, Bizim Kiez sowie den Betreibern des Filous gab es ein kurzweiliges buntes Programm.

 

Mit dabei waren „Die Gorillas“, DJ Attilla, Die Sängerin Minou sowie der Sänger Joao Fernandes mit seiner Gesangspartnerin Celine.

 

Mit uns gefeiert haben auch Claire D‘Orsay, Cansel Kiziltepe, Monika Matthias und Hans-Christian Ströbele. Überraschungsgäste waren das Kiezgeflüster und der vorherige Betreiber des Filou.

 

Rückblick:

Nachdem Nadja und Daniel im Januar 2017 bekannt gemacht hatten, dass Ihr Mietvertrag nicht verlängert werden sollte, hat unser Kiez sich gewehrt. Viele waren dabei, Anwohner*innen wie Ladenbetreiber*nnen. Unterstützt von vielen Kreuzberger Initiativen, haben wir protestiert und demonstriert, Handzettel verteilt, Postkarten verschickt, Plakate und Banner aufgehangen und sind seitdem auch auf Twitter, Facebook und youtube unterwegs. Ein runder Tisch zwischen Eigentümer, Mieter*innen und den Nachbarschaftsinitiativen GloReiche Nachbarschaft und Bizim Kiez im Büro von Hans-Christian Ströbele verlief ergebnislos. Die Wende kam für alle überraschend am Folgetag. Der Eigentümer Charles Skinner sagt dazu gegenüber der TAZ: „Wir haben einen großen Fehler gemacht. Wir schrieben sofort eine Mail an die Bäckerfamilie und baten um ein neues Treffen. Das war dann sehr emotional. Beide Seiten haben Fehler gemacht, aber wir den Größeren.“ Am 21.03.2017 wurde dann im Büro von Hans-Christian Ströbele eine Vereinbarung über die Verlängerung des Mietvertrages für die Bäckerei Filou unterzeichnet. 

 

Diese Einigung war nur möglich, weil sich in den letzten Monaten viele Menschen solidarisch gezeigt und für eine Zukunft des Café Filou eingesetzt haben. Wichtig war sicherlich auch, dass Claire D’Orsay, die Betreiberin des Restaurants Vertikal, mitgeholfen hat, die Investoren umzustimmen.

 

Dank an das Atelier Stadtdenken für die Herstellung der Taschen. 


21. März 2017

 

Abends

Bei der 2. Kiezversammlung im SO36 berichten wir über den erfolgreichen Protest. „Eine kleine Sensation ist die Entwicklung rund um die Bäckerei Filou in der Reichenberger Straße“ schreibt die Zeitung Neues Deutschland daraufhin. "Die Bedingungen sind bemerkenswert: Eine Kündigung von Eigentümerseite sei ausgeschlossen, auch Mieterhöhungen seien nicht vorgesehen. »Die Eigentümer wünschen sich, dass dieser Mietvertrag ein Vorbild für andere bedrohte Gewerbe ist«, so der Vertreter von »GloReiche«."

 

Die Freude bei allen ist riesig! Den nun ist es sicher: Filou bleibt! 

Kurzerhand wird die für den 25. März geplante Protestkundgebung zu einem Fest umfunktioniert.

 

 

Nachmittags

Nadja und Daniel unterzeichnen einen Vorvertrag im Büro von Hans-Christian Ströbele. Damit ist sicher: Filou bleibt! Der Vertrag wird zunächst ohne Mietsteigerung um drei Jahre verlängert. Danach verlängert er sich jeweils automatisch immer wieder um fünf Jahre, so lange die Miete pünktlich gezahlt wird und keine außerordentlichen Kündigungsgründe vorliegen, wie es auch in Wohnungsmietverträgen Standard ist. Die Mieter haben dagegen ein Kündigungsrecht mit sechsmonatiger Frist. 

 

 

In diesem Zusammenhang ist ein neuartiger Mustermietvertrag mit besserem Schutz für Kleingewerbe entworfen worden.


19. März 2017

 

+++ Café-Bäckerei Filou bleibt: Kündigung zurückgezogen - neuer Mietvertrag in Aussicht +++

 

Auf unserer Facebookseite teilen wir die tolle Nachricht.

 

+++ Café-Bäckerei Filou bleibt: Kündigung zurückgezogen - neuer Mietvertrag in Aussicht +++

 

Nachdem am 16. März 2017 ein Runder Tisch zwischen Eigentümern, Mieter*innen und den Nachbarschaftsinitiativen Bizim Kiez und GloReiche Nachbarschaft, zu dem der Bundestagsabgeordnete Hans Christian Ströbele eingeladen hatte, noch ergebnislos verlaufen war, kam es nun völlig überraschend doch zu einer Verhandlungslösung: In einem persönlichen Gespräch zwischen den beiden Vermietern und den Betreiber*innen des Filou zogen diese die Kündigung zurück und versicherten, dass die Familie Wagner/Spülbeck langfristig zu guten Konditionen bleiben könne. Sie stellten zunächst einen 3-Jahres Vertrag in Aussicht, der sich danach automatisch jeweils um weitere 5 Jahre verlängere. Außerdem könne der Vertrag, unter normalen Verhältnissen, nur einseitig vom Mieter beendet werden. Und man glaubt es kaum: Die Miete für das Ladengeschäft bleibt unverändert. Mit dieser Art Vertrag wollen Charles Skinner und David Evans einen neuen Standard zum besseren Schutz für Gewerbetreibende setzen.

 

Ein großes Dankeschön an alle Unterstützer*innen unserer Kampagne „Filou bleibt!“ und an die Betreiberin des Vertikal Restaurant & Bar, Claire d'Orsay, die sich immer wieder bei den Eigentümern für das Filou eingesetzt hat.

 

#widerstandlohntsich #unitedneighbours #filoubleibt #wirbleibenalle

 

Dieser Beitrag hat inzwischen mehr als 30.000 Personen erreicht und mehr 1.000 Reaktionen erhalten. (Screenshot Stand 11.03.2019)

 


 

17. März 2017

Tag der Kehrtwende! Die Hauseigentümer laden Nadja und Daniel zu einem weiteren Gespräch ein. Während diesem Gespräch ziehen sie die Kündigung zurück und bieten den Betreibern einen neuen Vertrag an. Charles Skinner sagte dazu der TAZ: „Wir haben einen großen Fehler gemacht. Wir schrieben sofort eine Mail an die Bäckerfamilie und baten um ein neues Treffen. Das war dann sehr emotional. Beide Seiten haben Fehler gemacht, aber wir den Größeren.“

 

 

16. März 2017

Auf Einladung von Hans-Christian Ströbele treffen sich Nadja, Daniel und ihre Tochter mit den Eigentümern Charles Skinner und David Evans zu einem Runden Tisch in Ströbeles Bundestagsbüro. Mit dabei sind dessen Mitarbeiter Andreas Weeger, ein Übersetzer sowie Coni von der GloReiche Nachbarschaft und Magnus von Bizim Kiez.

 

Der Gesprächsverlauf ist entmutigend, die Eigentümer wollen dem Filou keinen neuen Mietvertrag anbieten. „None and nothing will change our decision“, erklärt Charles Skinner. David Evans sagt, möglicherweise könnten Nadja und Daniel eine finanzielle Unterstützung erhalten. Darüber wolle man nachdenken und sich innerhalb der nächsten Woche mit den Mietern zusammensetzen.

 

 

15. März 2017

Mittels einer Flyeraktion an allen Häusern im näheren Umkreis des Filous bietet die GloReiche Nacbarschaft an Banner für Balkone und Fenster bereitzustellen.

 

Neben gesprühten Bannern (links oben im Bild) sind damals auch die ersten aufwendig per Hand gemalten Banner entstanden.

 

"Erst die Schwester - dann die Schrippe - dann Icke"

Die Geschichte hinter diesem Bannerspruchs ist die traurige Tatsache, dass die Schwester eines unserer Aktiven ihre Wohnung aufgrund der Fortschreitenden Gentrifizierung verloren hat. Als nächstes soll nun unsere Bäckerei gehen und wir. 

 

"Wenn sie kein Brot haben dann sollen sie Kuchen essen"

In Anlehnung an ein Zitat von Jean-Jacques Rousseau. Wird genutzt um den vermeintlich negativen Charakter der Marie Antoinette zu unterstreichen und in unserem Fall dem der Eigentümer.

 

"Grüne Fassade und nichts dahinter"

Das neue Gebäude neben der Bäckerei Filou hat eine begrünte Fassade. Da auch dieses Gebäude den Vermietern des Filou gehört konnten wir so einen Bezug herstellen. Leider ist dieses Banner im Februar 2017 spurlos verschwunden.

 

"Kiezlotterie geht weiter"

Leider gefühlt jeden Tag auf's Neue.


10. März 2017

Filou en francais!

An diesem Tag erscheint in der französischen Zeitung Le Monde ein Artikel über das Filou und unseren Protest.

 

Weitere Presseberichte findet ihr hier.

 

An dem Tag wird auch bekannt, dass die Bantelmann Betriebe Berlin einen neuen Mietvertrag erhalten haben. Die nächsten drei Jahre können die Betreiber*innen weitermachen.

 



05. März 2017

Das Filou unterstützt die Kundgebung des Kiezladens Friedel54 mit frischen Croissants.

 

Der Kiezladen hat am 29.10.2015 die Kündigung zum 30. April 2016 erhalten. Da das Kollektiv die Räume nicht übergeben hat droht nun die Räumung. Bei der Friedel54 handelt sich um ein selbstverwaltetes soziales Zentrum im Norden Neukölln. Genauer in der Friedelstraße 54. 

 

Wir sind bei einigen Kundgebungen mit Redebeiträgen dabei. Immer Sonntags, 14 Uhr vor der Friedel54.


04. März 2017

Wir unterstützen die Kundgebung vor den Bantelmann Betrieben Berlin im Wrangelkiez und sind mit einem Redebeitrag dabei.

 

Auch Bantelmann hat eine fristgerechte Kündigung erhalten. Zum 30.03.2017 soll nach 36 Jahren Schluss sein. 

 

Die ganze Geschichte könnt ihr hier nachlesen. 

 

 

 

 

01. März 2017 - Abends

Unbekannte attackieren die Schaufenster des „Vertikal“ noch während der Öffnungszeiten und beschädigen fast alle Scheiben. Es taucht am selben Abend noch ein Bekennerschreiben aus der linken Szene auf.

 

 

01. März 2017 - Nachmittags

Das Filou, die GloReiche Nachbarschaft und Bizim Kiez distanzieren sich gemeinsam von den Vorfällen. Wir stehen für nachbarschaftliches Miteinander und Solidarität. Unser Protest ist gewaltfrei und wir lehnen jede Form von menschenverachtendem Verhalten und der Herabsetzung anderer ab.

 

 

28. Februar 2017

Jemand tilgt das Wort „Auslander“ mit weißer Farbe, am Haus steht weiterhin „Bonzen raus“.

 

 

27. Februar 2017

Unbekannte hebeln die Klingeltafel am Neubau heraus.

 

 

26./27. Februar 2017

Am „Vertikal“ steht gleich zwei Mal „Auslander Bonzen raus“, ohne den nötigen Umlaut, aber jeweils mit drei Ausrufezeichen. Wir fragen uns, wie Nazis mittlerweile nicht einmal mehr „Ausländer“ richtig schreiben können.

 

 

25. Februar 2017 

Die GloReiche Nachbarschaft, viele Initiativen und Nachbar*innen beteiligen sich an der „Kiez-Demo gegen Verdrängung“. Mehr und mehr Menschen schließen sich dem Demo-Zug an, am Ende werden es 2.500 sein. Der Zug hält bald vor der Buchhandlung Kisch&Co, die nach 20 Jahren einer Optiker-Filiale der holländischen Kette „Ace & Tate“ weichen soll. Es geht weiter Richtung Kottbusser Tor, über die Reichenberger in die Lausitzer Straße. Dort haben die Mieter*innen und Gewerbetreibenden der Lausitzer Straße 10 und 11 einen Teilerfolg in ihrer Auseinandersetzung mit der Immobilienfirma Taekker errungen. Nach einem Schlenker über die Wiener Straße landen alle Demonstrant*innen wieder auf Reichenberger Straße und damit vor dem Filou. Dieses Mal sind alle auf der richtigen Straßenseite, die gesamte Kreuzung ist gesperrt: So geht das also! Während Hausbesitzer Charles Skinner den Protest aus einem seiner zukünftigen Ferienappartements noch fleißig filmt, schwenkt die Demonstration über die Glogauer Straße am Görlitzer Park vorbei in die Wrangelstraße und endet vor „Bantelmann“. Wir verteilen an diesem Tag mehr als 700 Aufkleber und Handzettel sowie rund 500 Aktionspostkarten „Kündigung zurücknehmen“.

 

21. Februar 2017

Cansel Kiziltepe (Mitglied des Bundestages) besucht das Filou.

 

Auszug aus ihrem Schreiben an die Eigentümer:

Vor allem für wenig mobile Menschen vor Ort, wie beispielsweise Seniorinnen und Senioren ist das „Café Bistro" Filou“ ein wichtiger Anlaufpunkt und von großer Bedeutung für die wohnortnahe Versorgung mit Bäckereiprodukten.

Die Einrichtung ist tief im Kiez verwurzelt. Ein Standortwechsel ist kaum möglich, denn es ist zu befürchten, dass das Geschäft durch einen Umzug eine große Anzahl seiner Gäste verlieren wird.

 

Aus eigener Erfahrung weiß ich wie wichtig öffentliche Plätze und Einrichtungen, wie das „Café Bistro Filou“ sind. Daher appelliere ich an Sie und an Ihre Verantwortung als Eigentümer gegenüber der Gesellschaft im Allgemeinen und den BürgerInnen vor Ort im Besonderen und möchte Sie bitten, dass Sie sich für eine Rücknahme der Kündigung und eine Verlängerung des Mietvertrags des „Café Bistro Filou“ entscheiden. Dieses Café muss als sozialer Treffpunkt im Kiez erhalten bleiben, dazu können Sie einen enormen Beitrag leisten.

 

20. Februar 2017

Inzwischen hat das Filou schon mehr als 2.000 Unterschriften für seinen Verbleib im Kiez gesammelt.

 

Die GloReiche Medien-AG hat über 1.000 Postkarten und 3.000 Aufkleber drucken lassen, außerdem Aufrufe und Aushänge. Zur Zeit sind Plakate und Stofftaschen in Planung. Das alles finanzieren Nachbar*innen durch stetige Spenden.

 

Auf einen Tagesspiegel Artikel, in dem Charles Skinner erklärt, wie er die Gegend aufwerten will: „Ich will nicht verdrängen, sondern lediglich einen richtigen Bäcker im Kiez“ antworten mit einem Handzettel („Wir mögen unsere Bäckerei so, wie sie ist!“) und bekleben außerdem beharrlich weiter die Ampelpfosten. Nachbar*innen übersetzen den Text vorerst ins Englische, Französische und Portugiesische. Wir suchen weitere Dolmetscher*innen. Auf Türkisch lautet der Satz übrigens so:  „Filou fırını olduğu gibi hoşumuza gidiyor!“


 

18. Februar 2017

Die GloReiche unterstützt die Kundgebung für den Erhalt der Bantelmann Betriebe Berlin im Wrangelkiez mit einem Redebeitrag.

 

 

15./16. Februar 2017

Die Banner-AG der GloReiche hatte ganze Arbeit geleistet und Kunst in den Protest der GloReiche gebracht. Jetzt hängen ihre Werke an diversen Balkonen und Hauswänden, unübersehbar. Auch Nachbar*innen in den umliegenden Häusern wurden kreativ und haben selbstgemachte Banner und Transpis an ihre Balkon gehängt.

 

Direkt vor einer Vernissage im „Vertikal“ sind allerdings einige verschwunden. Außerdem sind alle Ampelpfosten an der Kreuzung Glogauer/Reichenberger Straße saubergekratzt – es klebte kein einziger Zettel mehr, der auf die Schließung des Filou hinweist. Eines der Banner haben wir am 18. Februar in einem Bauschuttcontainer wiedergefunden - alle anderen blieben verschollen.

 

Überhaupt, im Februar: Trotz der vielen unleserlichen Mail-Adressen ist ein großer E-Mail-Verteiler entstanden, in dem zwischenzeitlich Diskussionen und spontaner Aktivismus aufbranden. Wir müssen lernen, offene Fragen bei unseren Treffen zu besprechen. Das fällt uns gar nicht so leicht.

 

 

14. Februar 2017

Die Solidarität im Kiez wächst. Das Plakativ klebt ein neues Wandbild an die berühmte Kreuzberger Protestwand (Manteuffelstraße Ecke Oranienstraße) auf dem auch das Cafe Filou genannt wird. „Tatü Tata – wir bleiben alle“ ist dort zu lesen. Auch die Reiche 63A solidarisiert sich mit dem Filou. "Wir sind der Kiez. Wir bleiben alle!" ist dort zu lesen.

 

Umliegende Gewerbetreibende und die Martha-Gemeinde solidarisieren sich ebenfalls mit dem Filou. Vom „Mini-Spar“ über die Kinderläden der „Spreesprotten“ und die „Reichenberger Apotheke“, die Spätis in der Reichenberger Straße bis zur Urberliner Kneipe „Quelle“, bekennen sich per Plakat als „Freunde vom Filou“. Darüber hinaus liefert eine Anwohnerin, Mitarbeiterin einer Druckerei,  immer wieder „frisches Banner-Material“ – richtig guten Stoff.

 

12. Februar 2017 

2. Kundgebung. Das Motto lautet „5 vor 12“.

Mehr als 300 Menschen haben an der Kundgebung "Filou bleibt" teilgenommen. Und obwohl der Eigentümer des Gebäudes kurzfristig den Strom abgestellt hat haben wir weiter demonstriert. Das Filou und die GloReiche erhalten Unterstützung durch die Initiativen Lause bleibt, Friedel54, Bizim Kiez, Zwangsräumung verhindern, Unser Block bleibt, Kiezversammlung Friedrichshain Nordkiez und die Betreiberin von Bantelmann Betriebe Berlin. Der Rapper Beatyov sorgt mit einem Filou-Song für gute Stimmung. 

 

Die Abendschau berichtet:

Redebeitrag "I think the investors are missing an opportunity"


Beatyov Live

Hans-Christian Ströbele mach Mut


 

09. Februar 2017 - Abends

Das Thema „Verdrängung“ betrifft den gesamten Bezirk. Am Abend treffen sich Kreuzberger*innen im SO36 zur 1. Kiezversammlung. Hier stellt sich auch die GloReiche Nachbarschaft und den Fall Filou vor. 

 

09. Februar 2017 - Nachmittags

Hans-Christian Ströbele, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, besucht das Filou. 

 

 

  

Auszug aus dem Schreiben von Katrin Schmidberger (Mitglied des Abgeordnetenhauses [Berliner Landesparlament]) und Hans-Christian Ströbele (Mitglied des Bundestages):

 

Die Leute fürchten einen immer größer werdenden Verlust solcher Ort. Die Entwicklung - hin zu einer eintönigen Gewerbelandschaft die in erster Linie von Läden und Kneipen geprägt ist, die auf das Tourismus- und Partygeschäft setzen - beunruhigt die Menschen, die in unseren Kiezen wohnen und leben. Ihre soziale Infrastruktur wird mehr und mehr von solchen Geschäften verdrängt, die nur den schnellen Profit suchen. (...) Das Filou ist ein gewachsener Teil der Kreuzberger Mischung im Reichenberger Kiez. Deshalb appellieren wir im Sinne einer Erhaltung der besonderen Lebensqualität und des Kiezlebens an Ihre Kompromissbereitschaft und bitte Sie zusammen mit ihren langjährigen Mietern eine Möglichkeit zur Verlängerung des Mietverhältnisses zu sichern und die Kündigung zurück zu nehmen."

 


09. Februar 2017 - Berlins erste Kuchen-Koalition

titelt die BZ

 

Drei Abgeordnete der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Kreuzberg kommen darin zu Wort:

 

"Es ist die einzige Möglichkeit für Brot und Brötchen im Kiez" so Oliver Nöll (Die Linke). Timur Hussein (CDU) stellt fest "es geht auch um Arbeitsplätze" und Julian Schwarze (Die Grünen) sagt "Orte wie das Filou ermöglichen vielfältiges Kiezleben." Gemeinsam brachten die drei Fraktionen die Resolution ein die gestern einstimmig beschlossen wurde. 

 

Die drei Fraktionen wollen jetzt an den Hauseigentümer appellieren, noch mal Gespräche mit dem Café Filou aufzunehmen und die Kündigung zurückzunehmen


08. Februar 2017- Resolution: Kiezvielfalt erhalten

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg erklärt parteiübergreifend "ihre Unterstützung für den Verbleib der Bäckerei Filou in der Reichenberger Straße 86 in Kreuzberg. Die Eigentümer und Vermieter der Gewerbeeinheit werden aufgefordert, die ausgesprochene Kündigung zum 31. Juli diesen Jahres zurückzunehmen. Um einen langfristigen Verbleib der Bäckerei im Kiez zu ermöglichen fordert die BVV die Eigentümer auf, sich entsprechenden Gesprächen mit den Betreibern nicht zu verschließen und diese zeitnah zu ermöglichen.“

 

Download
Drucksache DS/0091/V
Kiezvielfalt erhalten: Bäckerei Filou soll bleiben.

Die Resolution wurde ohne Änderung am 08.02.2017 einstimmig beschlossen.
DS0091V_Kiezvielfalt erhalten_einstimmig
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01. Februar 2017 -  Abends

Es ist saukalt: Heute Abend steht unsere erste Kundgebung an. Das „Vertikal“ hatte am Morgen ein Graffito auf der Hauswand: „Investoren Träume platzen lassen“. Die Betreiber haben die Polizei gerufen, die Schrift anschließend übermalen lassen und auf einer Tafel „Suppe gegen Vandalismus“ angeboten, so lange der Vorrat reiche. Unsere neugegründete Nachbarbarschaftsinitiative GloReiche staunt, dass jemand wegen eines Graffitos in Kreuzberg die Polizei ruft, ist aber sicher, dass niemand aus ihren Reihen mit der Spraydose unterwegs war. Die GloReiche weiß zu diesem Zeitpunkt schließlich nicht einmal, wie man eine Protestversammlung aufzieht und hat Flyer im Gepäck, die entgegen den Bestimmungen kein Impressum enthalten.

 

 


Knapp 100 Nachbarinnen und Nachbarn versammeln sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Neubaus. Nachbar*innen erzählen, was sie an ihrer Bäckerei lieben – zum Beispiel, dass man den Filou-Leuten jederzeit einen Schlüssel anvertrauen kann. Mit dabei sind auch die Initiativen Bizim Kiez und Lause bleibt

 

 

In Anspielung auf die Tafel des „Vertikal“ („Suppe gegen Vandalismus“) sorgt der Slogan „Suppe für alle, sonst tagelang Krawalle“ teilweise für Irritation. Das Motiv „Ironie“ muss am Mikrofon erläutert werden, danach ist alles gut. Die durchgefrorenen Anwohnerinnen und Anwohner ziehen kurz darauf dankbar heim.

 

01. Februar 2017 - Morgens

Das „Vertikal“ hat am Morgen ein Graffito auf der Hauswand: „Investoren Träume platzen lassen“. Die Betreiber haben die Polizei gerufen, die Schrift anschließend übermalen lassen und auf einer Tafel „Suppe gegen Vandalismus“ angeboten, so lange der Vorrat reiche.

 

 

  

01. Februar 2017 

Die GloReiche ist unter „Filou bleibt“ auf Facebook und bei Twitter unter #filoubleibt unterwegs.

 

 

27. Januar 2017 - Nachbarschaftsversammlung in der Martha-Gemeinde

Daniel Spülbeck, auf einer improvisierten Bühne ins Interview gebeten, informiert kurz über die Situation des Filou. In der offenen Aussprache sind die Beiträge erfreulich kurz, es geht vielmehr gleich zur Sache. Die Nachbarschaft verteilt sich auf eine Medien-, eine Banner-, eine Straßen- und eine Politik-AG und in verschiedene Ecken. Das ist die Geburtsstunde der Anwohnerinitiative GloReiche Nachbarschaft. Bereits am selben Abend wurde eine Mailingliste eingerichtet, erste Banner gefertigt und Ideen für die zukünftige Medienarbeit entwickelt. 

 

Rund 150 Anwohner*innen waren an diesem Abend versammelt. Deutlich mehr, als die Räume des Filous aufnehmen hätte können. Dank der Martha-Gemeinde, die uns kurzfristig ihre Türen öffnete, konnten auch alle Interessierten an dem Treffen teilnehmen. 

 

Der Abend endet mit einem dreiminütigen Go-In im „Vertikal“. 30 Nachbar*innen skandieren unbeholfen, aber fröhlich, „Filou bleibt!“ sowie „Grüne Fassade und nichts dahinter". Das Personal ruft dennoch die Polizei, während sich das Spontandemo-Team bereits trollt. Als „Rädelsführerin“ der Mini-Demo nennt Claire D’Orsay später älteste Tochter der Filou Betreiber – die hatte sich jedoch gar nicht in der Gruppe befunden.

  

Im Januar 2017

Bizim Kiez ruft zu einem Treffen der Nachbarschaft am 27. Januar auf: "Café Filou bleibt! Wir lassen uns nicht verdrängen denn, dass ist unser Kiez". Das Treffen soll im Filou stattfinden. 

 

 

Anfang Januar 2017

Nadja und Daniel informieren die Nachbarschaft. Am Filou kleben Zettel: „Wir müssen raus!“ Die Eigentümer haben sie wissen lassen, dass das Bäckerei-Café nicht mehr in „das Konzept des Kiezes“ passe. In Gesprächen und über Social Media-Plattformen erfahren mehr und mehr Menschen von der Kündigung. Im Laden liegen Unterschriftenlisten dagegen aus. Wir Nachbar*innen tragen uns sofort ein. 

 


 

Auf dem Aushang lesen wir:  

Die Erbauer und Betreiber des neuen Ferienappartementhauses nebenan, zwei Londoner Geschäftsleute, auch Eigentümer diese Mietshauses, haben uns gekündigt.

 

Statt mit Euch im Sommer unser 20ig-jähriges Bestehen zu feieren, bleibt uns, nach überstandener Bauphase des angrenzenden Touristikobjekts, nur, Euch, unseren Kunden, für Eure Treue über so viele Jahre zu danken und an die Solidarität in unserer Umgebung zu appellieren:

 

Kiez, wir zählen auch Dich!!

 

Euer Filou

 

18. Dezember 2016

Bizim Kiez berichtet erstmals über das Filou.

 

 

Im Dezember 2016

Die Baumaßnahmen gehen zu Ende. Wer die Fenster des Neubaus in den Blick nimmt, sieht überall die gleichen Lampenschirme in den Zimmern. Hier ist kein Wohnraum entstanden – das sind Ferienwohnungen.

 

 

9. Dezember 2016

Die Betreiber des Bäckerei-Cafés „Filou“ in der Reichenberger Straße 96, Nadja Wagner und Daniel Spülbeck, erhalten überraschend die Ankündigung, dass ihr Mietvertrag nicht verlängert wird. Sie sollen ihr Geschäft, das sie seit knapp 15 Jahren führen, zum 31. Juli 2017 aufgeben. 

 

31. Oktober 2016

Die B.Z. berichtet über den Neubau, in dem nun doch keine Wohnungen entstehen. Denn trotz Milieuschutz und Zweckentfremdungs-Verbot: bei Neubauten greift der Milieuschutz nicht.

 

In dem Artikel steht u.a.: Bau- und planungsrechtlich sei das Projekt nicht zu verhindern. Denn der Milieuschutz greift bei Neubauvorhaben nicht. Panhoff: „Wir haben kein Interesse an weiterem Beherbergungsgewerbe. Wir wollen lieber Wohnungen, aber uns sind die Hände gebunden.“

 

Ende September 2016

Die Bauphase nähert sich dem Ende wie das Foto zeigt.

 

 


In 2016 - Bilder aus der Bauphase

  

09. September 2015

In einer weiteren E-Mail der Hausverwaltung an die Betreiber des Filous wird nochmals versichert „wie ich Ihnen ausführlich erläutert habe, möchte der Eigentümer Sie als Mieter der Gewerberäume behalten.“

 

 

18. Juni 2015

Eine E-Mail der Hausverwaltung an die Betreiber des Filous endet mit den Worten: „Wir möchten Sie gerne als Mieter behalten (…)“

 

 

19. November 2013

Auf der Brache zwischen den Altbauten in der Glogauer Straße Ecke Reichenberger Straße beginnen die Arbeiten für einen Neubau. Die Hausverwaltung informiert die betroffenen Mieter*innen und kündigt ein Wohnhaus an. So erfahren auch die Betreiber des Filous von den geplanten Baumaßnahmen.